Archiv des Autors: Gemeindemarketing Leck

Integration in Leck

Erschienen im nft am 01.02.2017

Ibrahim Alsunaidars Kindheitstraum: Er ist endlich Busfahrer

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Flüchtling auf dem Fahrersitz: Seit drei Monaten fährt Ibrahim Alsunaidar mittlerweile schon den Ladelunder Bürgerbus.

Leck | Ein Stück weit war es Liebe auf den ersten Blick. Ibrahim Alsunaidar, Flüchtling aus Jemen, sah beim Lecker Straßenfest zum ersten Mal den Bürgerbus und war fasziniert. Dass ihn Ehrenamtliche fahren, um für mehr Mobilität auf dem Land zu sorgen, erfuhr er. Dass Fahrer gesucht werden. Und dass sich das Ladelunder Projekt zum Erfolgsmodell in der Region entwickelt hat. All das erzählte man ihm. Und schon kam ein alter Kindheitswunsch wieder hoch, der den 51-Jährigen immer schon beschäftigte: Busfahren als Herzensangelegenheit. So ergriff der Vater von sechs Kindern die Initiative und trat an Heike Prechel vom Bürgerbus-Team heran.

Die wiederum freute sich über das Interesse, denn Fahrer werden immer gesucht. Die ehemalige Lehrerin sah auch kein Problem darin, dass Ibrahim Alsunaidar, seit Ende 2014 wohnhaft in Leck, zwar fließend Englisch spricht, die deutsche Sprache aber nur recht holprig. Was man nicht kann, kann man lernen, so das Credo der beiden. Auch wenn damit viel Arbeit auf den Jemeniten zukommen würde.

Ibrahim Alsunaidar besaß zwar bereits einen EU-Führerschein, einen Personenbeförderungsschein galt es nun zu erwerben. Dafür musste er sich umfangreichen medizinischen Untersuchungen unterziehen, an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen und immer wieder pauken, pauken, pauken. Wichtige Vokabeln wie Gaspedal, Bremse, Seitenspiegel oder Rollator, Fahrschein, Sitzplatz. Auch büffelte er vorformulierte Sätze, die ihm im Umgang mit den Bürgern helfen sollten. „Bitte schnallen Sie sich an“, „Vorsicht beim Aussteigen“, „Schönes Wetter heute“ – was man als Fahrer im Alltag mit den Nordfriesen so benötigt.

Ibrahim Alsunaidar lernte alle 51 Haltestellen des Fahrplans mit Tariftabelle auswendig. Er übte sich darin, Telefonate mit der Fahrdienstleitung zu führen, was er anfangs wegen seiner noch geringen Sprachkenntnisse scheute. Am Ende aber meisterte er, der in seiner Heimat am Check-In eines Flughafens gearbeitet hatte, alle Hürden.

Bei seiner ersten Busfahrt standen ihm dann die Schweißperlen auf der Stirn, wie er erzählt. Doch alles lief gut, problemlos und unfallfrei. Inzwischen ist Alsunaidar seit drei Monaten im Bürgerbus-Team mit dabei. Jeden Dienstag- und Mittwochnachmittag sitzt er sichtlich stolz am Steuer. Die Aufregung ist gewichen, Routine eingekehrt. Der Hobby-Busfahrer kann sich mit den Fahrgästen verständigen – solange sie kein Plattdeutsch sprechen.

Die Resonanz auf den Asylbewerber am Steuer sei positiv, sagt Heike Prechel. „Die Fahrgäste schätzen seine freundliche, hilfsbereite Art.“ Auch wenn es zuweilen vorkommt, dass einige Bürger befremdlich reagieren, wenn sie ihn am Lenkrad sehen. Ob es Unsicherheit gegenüber allem Fremden ist oder Ängstlichkeit oder vielleicht sogar Ablehnung. Vor allem Teenager seien es, die ihm manchmal das Gefühl geben, als Fahrer nicht akzeptiert zu werden, sagt der Zugezogene und hofft, daran etwas ändern zu können. „Sie müssen mich vielleicht erst kennenlernen.“

Ibrahim Alsunaidar selbst muss auch noch so vieles kennenlernen. Für ihn, der ursprünglich aus der Millionenstadt Sanaa kommt und fünf Jahre in Kairo lebte, ist das Landleben eine Umstellung, das Fahren auf staufreien Landstraßen pure Erholung. „Die Ruhe“, sagt er, „ist das, was ich hier so mag.“

Alsunaidar will nach eigenen Angaben mit seinem ehrenamtlichen Engagement etwas von dem zurückgeben, was er selbst bekommen hat. Er will eine Aufgabe in der Gesellschaft haben, gebraucht werden. Sein Sohn ist in der Lecker Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Eine seiner Töchter gibt anderen Flüchtlingen Deutsch-Nachhilfe. Der 51-Jährige selbst will fahren – für einen guten Zweck. Ibrahim Alsunaidar wartet darauf, dass sein Asylantrag anerkannt wird und er für immer in Südtondern bleiben kann. Wenn dem so ist, möchte er sich einen Job suchen, Geld verdienen. Busfahrer, das will er dann hauptberuflich werden.

Süßes für den 40 000. Fahrgast

Erschienen im am 31.01.2017

 

Alla Khachatryan staunte nicht schlecht: Sie war der 40  000. Fahrgast des Ladelunder Bürgerbusses. Fahrer Klaus Neppert hatte gute Wünsche und einen Meter Schokolade für die junge Frau parat, die in ihrem Leben schon viele Kilometer zurückgelegt hat.

Im August 2015 ist Alla Khachatryan von Armenien nach Deutschland gekommen und wohnt mittlerweile in Ladelund. Sie besucht täglich einen Sprachkursus und fährt immer mit dem Bürgerbus von Ladelund nach Leck und zurück.

Auch sozial ist sie aktiv: Sie hilft anderen Asylbewerbern als Übersetzerin und begleitet sie häufig zu Arztbesuchen und zu Behörden. Zudem engagiert sie sich im Ladelunder Ortskulturring und bemüht sich zurzeit um einen Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Büromanagement.

Hinter den Kulissen (2)

Fahrsicherheitstraining am 10. September 2016

Einmal jährlich veranstalten wir für unsere neuen Fahrerinnen und Fahrer ein Fahrsicherheitstraining. Wir freuen uns sehr darüber, dass der Fahrlehrer Herbert Cordsen nach wie vor bereit ist, sich ehrenamtlich für den BürgerBus Ladelund zu engagieren und die Leitung für dieses Training zu übernehmen.

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Das Training begann am 10. September um 9.oo Uhr mit einigen Stunden Theorie.

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Es wurden Vorfahrtsregeln wiederholt und besondere Gefahrenstellen auf den Bürgerbus-Strecken noch einmal ausführlich besprochen.

Nach einem späten gemeinsamen 2. Frühstück ging es mittags mit allen drei Fahrzeugen hinaus in den Schonraum auf ein ehemaliges Bundeswehrgelände.

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Zunächst wurde wieder Theorie vermittelt.

Jeder Teilnehmer lernte, den Fahrersitz für sich richtig einzustellen.

Anschließend musste jeder so oft eine Gefahrenbremsung durchführen, bis das Ergebnis zur Zufriedenheit ausfiel.

Im Ernstfall ist es enorm wichtig, dass jede Fahrerin und jeder Fahrer weiß, was zu tun ist!

Wie sich ein solches Bremsen anfühlt, erfuhren die Teilnehmer hautnah als Fahrgäste.

Wie sich ein solches Bremsen anfühlt, erfuhren die Teilnehmer hautnah als Fahrgäste.

Am Ende des Fahrsicherheitstrainings war die einhellige Meinung aller Teilnehmer, dass sich die investierte Zeit sehr gelohnt hat. Es war sinnvoll, das für die eigene Führerscheinprüfung gelernte Wissen wieder aufzufrischen und die BürgerBusse noch besser kennen zu lernen.

Ein großes Dankeschön an Herbert Cordsen!

„Achtruper Stuben“ – unsere neue Haltestelle!

Auf Wunsch von Achtruper Einwohnern wurde eine zusätzliche Haltestelle eingerichtet.
Genannt haben wir sie „Achtruper Stuben“, da jeder weiß, wo das ist. Mit „Norderstraße“ hätten sicher nicht alle etwas anfangen können.

Ab sofort sind so auch unsere beiden Werbepartner „Achtruper Stuben“ und „Tanken und mehr“ sehr gut zu erreichen.

Auf dem gültigen Fahrplan ist die Haltestelle zwar noch nicht aufgeführt, aber sie wird bei Bedarf auf jeder Fahrt von Ladelund nach Leck und zurück angefahren.

Verabschiedung nach Spanien

Martina und Armin Fliegauf

      Fliegauf Armin

gehörten von Beginn an zu unserem Fahrerteam.

Armin Fliegauf hat außerdem unser Logo entworfen und war zuständig für die Einteilung der Werbeflächen auf den Fahrzeugen, die Herstellung unserer Folien mit den Logos und die der meisten fremden Werbefolien und für deren Aufbringung.
Für den neuen Fahrplan investierte er viele Stunden und gestaltete auch dessen Layout. Den reibungslosen Ablauf vor, während und nach den jeweiligen Fahreinsätzen gewährleisten die von ihm aufgestellten Checklisten.

Martina und Armin Fliegauf übernahmen auch den Einkauf und das Bedrucken der gesamten Fahrerbekleidung.
Sie engagierten sich beide in Arbeitsgemeinschaften innerhalb des Vereins. Armin Fliegauf gehörte darüber hinaus seit Februar 2015 dem Vorstand an und übernahm zunehmend die Vorstellung unseres Mobilitätsprojektes  auf Infoveranstaltungen und in Diskussionsrunden wie z. B. auf der Grünen Woche in Berlin in diesem Jahr.

Nun ist das Ehepaar nach Spanien gezogen. Es hinterlässt in unserem Verein eine große Lücke, die nicht ganz einfach zu schließen sein wird.

Einige Aufgaben wollen sie aber auch zukünftig – dann von Spanien aus – erledigen und uns so weiterhin unterstützen z. B. mit den Werbefolien, der Fahrerbekleidung, der Gestaltung für den nächsten Fahrplan und uns fällt bestimmt noch viel mehr ein, wie wir den Kontakt behalten können.

Dankeschön!

 

 

Auf dem Fahrergrillen im Juli haben wir uns für ihren ehrenamtlichen Einsatz bedankt und ihnen ein kleines Präsent überreicht.

Auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön!!!

Hinter den Kulissen (1)

Wer mit dem BürgerBus Ladelund, sei es als Fahrgast, als Sponsor oder auch nur zufällig als Beobachter in Kontakt kommt, der nimmt zunächst die Fahrzeuge wahr und dann die Fahrer. Diese sind unverzichtbar, denn ohne sie wäre der Busbetrieb nicht möglich.

Hinter den Kulissen gibt es aber weitere Menschen, die genauso wichtig für den reibungslosen Ablauf des Betriebes sind, deren Wirken jedoch für die meisten unsichtbar bleibt.

So müssen die Busse gewartet, gepflegt und gereinigt werden. Das Tanken und die tägliche schnelle Reinigung mit Besen und Schaufel erledigen die Fahrer im Anschluss an ihre Tour. Darüber hinaus sind jedoch intensive Reinigungen notwendig.

Wir hatten das große Glück, Menschen zu finden, die uns aus verschiedenen Gründen zwar nicht als Fahrerin oder Fahrer unterstützen können, dennoch aber gerne helfen wollen.

Die Ladelunder Angela Kaminski und Hans-Gerhard Wepner gehören dazu.
Regelmäßig reinigen sie die BürgerBusse gründlich und sorgfältig von innen. Das kann nur am Wochenende geschehen, wenn die BürgerBusse nicht unterwegs sind.

Es wird höchste Zeit ihr Wirken „im Verborgenen“ einmal öffentlich zu machen, hier vorzustellen und ihnen für ihr ehrenamtliches Engagement ganz herzlich zu danken!

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Nach getaner Arbeit sind sie mit dem Ergebnis sichtlich zufrieden.

Besuch von Lars Harms (SSW) beim Bürgerbus Ladelund

Bürgerbusse können eine hervorragende Ergänzung des ÖPNV-Angebots sein

harms_webDer Vorsitzende des SSW im Landtag, Lars Harms, hat bei einem Ortstermin in Ladelund den dortigen Bürgerbus als echtes Win-Win-Angebot hervorgehoben.

Der „Bürgerbus Ladelund“ ermögliche den Menschen vor Ort umfassende und günstige Mobilität ohne jedoch in Konkurrenz zu bestehenden Angeboten zu treten, lobte Harms.

Außerhalb der üblichen Schülerverkehrszeiten waren die Menschen in Ladelund vom ÖPNV-Angebot weitgehend abgeschnitten. Bis eine Handvoll Bürger beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen.

In Zusammenarbeit mit der Autokraft ist hieraus der Verein „Bürgerbus Ladelund“ entstanden, der mittlerweile mit zwei Kleinbussen und einem Elektro-Kleinwagen sowie rund 35 Fahrern nicht nur Ladelund, sondern auch das gesamte Umland bedienen. Und das ganz ehrenamtlich.

Grund genug für den Vorsitzenden des SSW im Landtag, Lars Harms, dem „Bürgerbus Ladelund e.V.“ einen Besuch abzustatten.

„Aus Sicht des SSW können Bürgerbusse eine hervorragende Ergänzung sein, um den Menschen kollektive Mobilität zu ermöglichen. Wichtig ist uns allerdings, dass solche Angebote nicht in Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV treten und so Arbeitplätze gefährden“, gab Harms zu bedenken.

In Ladelund habe man allerdings von Anfang die vertragliche Zusammenarbeit mit der Autokraft gesucht um das dort vorhandene Angebot um Fahrstrecken zu ergänzen, die für die Autokraft nicht rentabel zu betreiben seien. Dies sei genau der richtige Weg, lobte Harms.

Auch das Rufbus-Angebot des Vereins sei vorbildlich geregelt. So könnten Bürger telefonisch Bedarf für als Rufbus markierte Routen anmelden, der Bus würde allerdings ausschließlich zu im Fahrplan festgelegten Zeiten fahren.

„Die Bedarfsregelung ermöglicht dem Verein eine gewisse Flexibilität, so dass keine leere Busse durch die Landschaft fahren. Andererseits gewährleisten festgelegte Abfahrtszeiten, dass der Rufbus nicht in Konkurrenz zum Taxigewerbe tritt. Besser kann man es kaum regeln“, zollte der Landtagsabgeordnete seine Anerkennung.

Beeindruckt war der SSW-Abgeordnete auch von den stetig wachsenden Fahrgastzahlen des Vereins. „Nicht nur daran lässt sich ablesen, dass der Bürgerbus Ladelund bei den Menschen ankommt. Wenn man bedenkt, dass die gesamte Arbeit zudem ehrenamtlich geleistet wird – von der Buchhaltung bis zum Fahrdienst, dann ist das mehr als beeindruckend“, sagte Harms.

Hier die Pressemitteilung von Lars Harms  zum Download!

Bürgerbus-Leitfaden: Ladelunder Modell als Landes-Vorbild

Erschienen im nft am 01.07.2016

Foto: I. Jensen

Der Vorstand des Vereins Bürgerbus Ladelund gibt nicht nur sein Wissen weiter, sondern erhofft sich auch eine verlässliche Landesförderung für das Projekt.

Der Bürgerbus in Ladelund ist eine Erfolgsgeschichte – das ist längst auch über die Region hinaus bekannt. Das Wissen und die Erfahrungen des Vereins sollen bald anderen Moblilitäts-Initiativen in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehen. Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NahSH) will gemeinsam mit seinen Gesellschaftern – Land, Kreise und kreisfreie Städte – einen Leitfaden erstellen, der alle wichtigen Informationen zum Thema Bürgerbus zusammenfasst.

An der Erstellung maßgeblich beteiligt: die Mobilitäts-Experten für den ländlichen Raum aus Ladelund, die viel Energie und Durchhaltevermögen bewiesen haben. Den Leitfaden sieht der Vereinsvorstand um die Vorsitzende Heike Prechel nicht nur als Chance, anderen Bürgerbus-Projekten im Land auf die Räder zu helfen, sondern er erhofft sich auch finanzielle Sicherheit durch eine verlässliche, planbare Landesförderung für die Ladelunder Initiative.

Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis der Bürgerbus-Verein Ladelund den ersten Bus ins Rollen brachte. „Wir mussten einen langen Atem haben, und es gab viele Stolpersteine“, sagt Heike Prechel rückblickend. „Aber unser Bürgerbus-Projekt zeigt ja, dass es funktioniert. Wir sind in enger Kooperation mit der Autokraft GmbH ein kleines Verkehrsunternehmen geworden.“ Inzwischen ist das Mobilitätsangebot für den ländlichen Raum mit drei Fahrzeugen im Einsatz, es wurden bereits knapp 30 000 Fahrgäste transportiert. Und auch das Finanzamt sitzt mit im Bus: „Weil wir Einnahmen haben, müssen wir auch Steuern zahlen.“

Der geplante Leitfaden ist für Heike Prechel ein entscheidender Schritt: „Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es bisher nur zwei Bürgerbusse in Schleswig-Holstein, die als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr allen offenstehen.“ Betrieben werden sie auf Fehmarn und in Ladelund. Drei weitere Bürgerbusvereine bereiten sich auf den Linienbetrieb vor, und zwar in Malente, Meldorf und im südlichen Dithmarschen. Zusammenarbeit und Austausch sind für die Akteure essenziell, deshalb haben sich die Initiativen 2015 zur Arbeitsgemeinschaft „Pro Bürgerbus Schleswig-Holstein“ vereint. „Die Kollegen aus Dithmarschen waren anfangs ganz überrascht, dass wir Ladelunder unser gesammeltes Wissen ganz selbstverständlich weitergegeben haben“, sagt Heike Prechel schmunzelnd. Sie weiß jedoch ganz genau, wie mühsam es für sie am Anfang war, an Informationen zu kommen. „Bürgerbus-Leitfäden anderer Bundesländer, zum Beispiel für Nordrhein-Westfalen, waren unsere Bibel und haben uns in der Gründungsphase sehr geholfen.“

Bereits im vergangenen Jahr hat der Verein in einer Stellungnahme an den Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags darauf aufmerksam gemacht, wie nötig und nützlich Bürgerbusse in der ländlichen Region sind. Prechel: „Diese Ergänzung zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr wird in anderen Bundesländern bereits gezielt genutzt und gefördert. In Schleswig-Holstein müssen wir allerdings noch sehr viel Aufklärungsarbeit leisten.“ Insgesamt sei der Informationsbedarf auf allen Ebenen sehr groß. „Es sollte ein einfaches, unbürokratisches Antragsverfahren geben. Ein Leitfaden speziell für Schleswig-Holstein, der regionale, individuelle Vorgaben berücksichtigt, wird gebraucht.“

Heike Prechels Anregungen sind offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen. Am 6. Juli findet ein erstes Planungstreffen auf Einladung von Nah-SH statt, in Vorbereitung dazu hat sich „Pro Bürgerbus“ in Ladelund getroffen. Im Herbst 2016 soll der Leitfaden öffentlich vorgestellt werden. Angedacht sind ein informativer Teil für Kommunen und andere Interessierte sowie praktische Planungshilfen für Bürgerbus-Initiativen. Ob die Finanzierung von Bürgerbusprojekten ebenfalls Thema im Leitfaden sein werde, sei noch offen, heißt es in einer Mitteilung von Nah-SH. Hier sei noch abzuwarten, wie und in welcher Höhe die Regionalisierungsmittel des Bundes künftig im Land zur Verfügung stünden.

Gerade auf eine verlässliche Landes-Finanzierungshilfe, wie es sie bereits in anderen Bundesländern gibt, hofft allerdings der Bürgerbusverein Ladelund. „Das wäre ein Meilenstein, wenn wir das im Leitfaden verankern könnten. Wir schreiben zwar schwarze Zahlen, aber für die Anschaffung eines neuen Busses brauchen wir finanzielle Unterstützung“, sagt Heike Prechel. Ihr Mann Peter Prechel, zweiter Vorsitzender des Vereins, ergänzt: „Wir möchten als Pilotprojekt gerne versuchen, allen auf die Sprünge zu helfen, damit es bald möglichst viele Bürgerbusse in Schleswig-Holstein gibt.“