Archiv des Autors: Gemeindemarketing Leck

Der Rufbus des Kreises verzögert sich!

Der Fahrplan des BürgerBusses Ladelund bleibt deshalb unverändert gültig, bis feststeht, welches Verkehrsunternehmen zukünftig unser Kooperationspartner sein wird. Dann erarbeiten wir gemeinsam mit diesem Verkehrsunternehmen und dem Kreis Nordfriesland einen neuen Fahrplan, der zeitgleich mit dem Rufbus-System startet.

Eigentlich sollte am 1. August der Rufbus im Kreis Nordfriesland eingeführt werden, der für die Einwohner eine große Verbesserung ihrer Mobilität bringen wird.

Parallel dazu stand die Vergabe der Leistungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an ein Verkehrsunternehmen für die nächsten 10 Jahre an. Dafür wurde eine öffentliche Ausschreibung durchgeführt.

Die Vergabe hat eine gerichtliche Klärung nach sich gezogen, die einige Zeit in Anspruch nehmen wird – siehe Artikel im SHZ vom 15. Juni.

Wir werden Sie an dieser Stelle weiter aktuell informieren!

Bürgerbus Ladelund – die Erfolgsgeschichte geht weiter

Die neue Heimat und ein neues barrierefreies Fahrzeug des Bürgerbus-Vereins Ladelund – für die Zukunft ist der Verein gut aufgestellt.

Vorstand und Kooperationspartner: Sie alle und zahlreiche Besucher waren zum Tag der offen Tür gekommen, um eine weiteres Kapitel in der Geschichte des Bürgerbusses Ladelund zu feiern.

Dem Anlass entsprechend war es ein würdiger Rahmen, doch schaut man sich andere Erfolgsgeschichten an, so werden die mit weitaus mehr Tamtam und Getöse gefeiert. Doch wer die Mitglieder des Vereins Bürgerbus Ladelund kennt, der weiß: Sie machen einfach!

Wenn auch einfach nicht gerade einfach war, wie Peter Prechel, zweiter Vorsitzender, im Namen der Vorsitzenden Heike Prechel, erklärte. Sei doch die von Anbeginn selbstauferlegte Maxime „Bürger fahren für Bürger“ nicht immer ganz einfach zu realisieren gewesen. Manche Hürde galt es zu überwinden, naive Vorstellung wurden von der harten Realität eingeholt. Doch heute, nach fast sieben Jahren nach der ersten Idee, habe man viele Gründe, dieses mit all jenen zu feiern, die dazu beigetragen haben, dass es eine Erfolgsgeschichte wurde.

Im Zeitraffer ließ er die Jahre Revue passieren und Ereignisse vor den Augen der Gäste noch einmal aufleben. Ideensammlung, Vereinsgründung, unzählige Vorstandssitzungen, Treffen auf den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Ebenen, bis hin zur Anfangsfinanzierung und der Entscheidung, welchen Bus man kaufe.

Und dann fing die Arbeit vor Ort erst richtig an. Fahrerinnen und Fahrer gewinnen und ausbilden, Fahrstrecke festlegen, Haltestellen einrichten, Fahrplan aufstellen und und und. „Am 14. Juli 2014 war es soweit. Die erste Fahrt fand unter großem Interesse von Presse, Rundfunk, Fernsehen und zahlreichen Fahrgästen statt, so dass bereits an diesem Tag ein Bus nicht ausreichte.

„Schnell wurde klar und man hatte es uns auch gesagt, wir hatten es aber nur schmunzelnd zur Kenntnis genommen, wir leiteten jetzt ein kleines Verkehrsunternehmen“, so Prechel. Viel ist seitdem passiert. Ein zweiter Bus wurde gekauft und ein „Minibürgerbus“ – ein Elektrofahrzeug – kam dazu. Und so habe sich der BürgerBus Ladelund hervorragend entwickelt – und selbst anfängliche Zweifler verstummen lassen. „Einige kommen sogar auf uns zu und sagen, dass sie sich damals geirrt haben“, erklärte der zweite Vorsitzende. Das alles sei ja eigentlich Grund und Anlass genug zu Feiern. Steuere man doch auf den 67 000 Fahrgast zu, und seit diesen Tagen gehört ein neuer barrierefreier Bus zur großen Familie der ehrenamtlich für den BürgerBus Ladelund aktiven Fahrer, dem Wartungsteam und dem Vorstand, so Prechel. Mittlerweile sind es rund 50 Ehrenamtler, die dem Bürgerbus-Verein ein Gesicht geben.

Ein neues Gesicht bekam aber auch Ladelunds altes Feuerwehrgerätehaus, über dessen Rolltoren für alle weithin sichtbar der Schriftzug „BürgerBus“, den Weg zur neuen Heimat weist. Waren die Busse bisher in einem Carport auf dem Gelände der Alten Meierei untergebracht, stehen sie jetzt im umfangreich renovierten Gebäude. Ebenfalls ist dort ein barrierefreies Ein- und Aussteigen über eine neue Rampe möglich.

„Wir alle sind sehr zufrieden und überaus glücklich. Alles ist in einem Gebäude! Es sind überall nur kurze Wege und dennoch ist genug Platz um die Busse herum“, so Peter Prechel, der im Anschluss alle einlud, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen und mit ihnen einige gemütliche Stunden zu verbringen. Getreu dem Motto: Geteilte Freude ist doppelte Freude!

Erschienen im am 09.05.2018

Fahrerteam sucht Verstärkung

Erschienen im nft am 19.06.2017

Bürgerbusse in Südtondern

Jochen Hintz wünscht sich noch mehr Kollegen am Bürgerbus-Steuer

Der Bürgerbus in Ladelund bleibt ein echtes Erfolgsmodell: „Wir steuern rasant auf den 50 000. Fahrgast zu“, sagt Heike Prechel, Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins Ladelund. Viele Fahrgäste (rund 80 pro Tag) sind das eine – ein großer Pool von ehrenamtlichen Fahrern das andere. Und generell hat Heike Prechel durchaus noch die eine oder andere Schicht hinter dem Lenkrad anzubieten.

„Krankheits- und urlaubsbedingt wird es manchmal ein wenig schwierig, den Einsatzplan zu füllen“, sagt die Vorsitzende und schiebt sofort hinterher: „Es gelingt zwar immer, weil unser Fahrerteam sehr bereitwillig im Notfall auch zusätzliche Einsatzzeiten übernimmt. Aber wir möchten das auf Dauer nicht zu sehr beanspruchen.“

Neue Fahrer sind also jederzeit willkommen: „Wer schon immer gerne Busfahrer werden wollte, hat bei uns die Gelegenheit dazu und das kostenlos – ein Busführerschein ist sehr teuer“, wirbt Heike Prechel für einen ehrenamtlichen Einsatz. Und die Dankbarkeit der Fahrgäste sei ein schöne Dreingabe zur guten Tat. Das werde in vielen Äußerungen oder sogar Briefen deutlich: „Ein herzliches Dankeschön den Busfahrern und -fahrerinnen, die ein wenig Lebensglück schenken“, stand etwa in einem Gruß an den Verein geschrieben.

Derzeit lenken 23 Fahrer und 12 Fahrerinnen den Bürgerbus – oder besser einen der Bürgerbusse. Denn inzwischen sind täglich drei Fahrzeuge im Einsatz; zwei Busse mit jeweils acht Sitzplätzen, darunter je ein Platz für Rollstuhlfahrer, zum Fuhrpark gehört zudem der „Mini-Bürgerbus“. Mit diesem E-Mobil werden Fahrgäste aus kleinen Nachbargemeinden abgeholt (und dorthin wieder zurückgebracht) sowie auf wenig nachgefragten Strecken als Anrufbus die Bürgerbusse ersetzt. „Um Fahrer im Bürgerbus zu werden, braucht man zunächst einen Führerschein und mindestens zwei Stunden Zeit pro Woche oder alle 14 Tage“, erläutert die Vereinsvorsitzende weiter. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, zum Team im gehören Ehrenamtliche im Alter zwischen 37 und 76 Jahren – die Jüngste ist 37 Jahre und der Älteste 76 Jahre alt.

Notwendig ist ein Personenbeförderungsschein, dafür müssen die Freiwillgen bereits zwei Jahre einen Führerschein haben und sich einer Gesundheitsüberprüfung unterziehen. „Die Erlaubnis ist fünf Jahre gültig, alle Kosten übernimmt der Bürgerbus-Verein. Dafür wird mindestens ein Jahr Fahrdienst erwartet“, so Prechel. Gefahren wird von Montag bis Freitag, vormittags von 6.40 Uhr bis zirka 11 Uhr und nachmittags von zirka 14 Uhr bis 17.30 Uhr.

„Jeder entscheidet selbst über seine Einsatzzeiten“, betont Heike Prechel. Im Abstand von meistens sechs Wochen gebe es Fahrertreffen zum Besprechen der Dienstpläne – „wer nicht kommen kann, gibt seine Wunschtermine vorher durch.“ Neulinge hinter dem Bürgerbus-Steuer erhalten eine sorgfältige Einarbeitung, lernen Fahrzeug, Haltestellen und Fahrstrecken ausührlich kennen, erhalten eine Tarifschulung „und alles, was sonst noch dazu gehört.“ Start- und Endpunkt des Linienverkehrs ist Ladelund, Anfahrtskosten zu den Einsatzzeiten werden erstattet mit 30 Cent pro Entfernungskilometer.

Unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ sind seit Juli 2014 freiwillige Fahrer im Einsatz. Der Bürgerbus fährt im Auftrag der Autokraft und nennt sich selbst nicht ohne Stolz – „richtig ein kleines Verkehrsunternehmen“. Denn der Bürgerbus macht vieles für die Einwohner der ländlichen Gemeinden um Ladelund Gemeinden möglich, indem er sie verbindet.

Er bringt Kinder zum Spielen zu Freunden, Auszubildende zur Arbeit, Schüler früher nach Hause, Senioren selbstbestimmt zum Einkaufen, alle Altersgruppen zum Arzt, zu Behörden oder zur Freizeitgestaltung – und macht die Nutzer auch ohne ein eigenes Auto mobil. „In Leck am ZOB ist immer sehr zeitnah ein Umsteigen in die Schnellbusse nach Niebüll und Flensburg möglich.“ Die Vereinsvorsitzende lobt zudem die „sehr bereitwillige Unterstützung“ durch Werbepartner aus unserer Region und die beteiligten acht Gemeinden Achtrup, Bramstedtlund, Karlum, Ladelund, Leck, Sprakebüll, Süderlügum und Westre.

Heike Prechel: „Das Allerwichtigste und somit die Grundvoraussetzung für einen BürgerBus sind allerdings Menschen, die bereit sind, ein wenig Zeit am Steuer des Bürgerbusses zu verbringen. Wer etwas für andere tun möchten, gerne das Gefühl hätte, wirklich gebraucht zu werden – der oder die ist bei uns richtig.“ Mehr Infos gibt es unter Telefon 04666/989742 (von 6.30 bis 18 Uhr täglich erreichbar) oder per E-Mail an info@buergerbus-ladelund.de.

 

Integration in Leck

Erschienen im nft am 01.02.2017

Ibrahim Alsunaidars Kindheitstraum: Er ist endlich Busfahrer

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Flüchtling auf dem Fahrersitz: Seit drei Monaten fährt Ibrahim Alsunaidar mittlerweile schon den Ladelunder Bürgerbus.

Leck | Ein Stück weit war es Liebe auf den ersten Blick. Ibrahim Alsunaidar, Flüchtling aus Jemen, sah beim Lecker Straßenfest zum ersten Mal den Bürgerbus und war fasziniert. Dass ihn Ehrenamtliche fahren, um für mehr Mobilität auf dem Land zu sorgen, erfuhr er. Dass Fahrer gesucht werden. Und dass sich das Ladelunder Projekt zum Erfolgsmodell in der Region entwickelt hat. All das erzählte man ihm. Und schon kam ein alter Kindheitswunsch wieder hoch, der den 51-Jährigen immer schon beschäftigte: Busfahren als Herzensangelegenheit. So ergriff der Vater von sechs Kindern die Initiative und trat an Heike Prechel vom Bürgerbus-Team heran.

Die wiederum freute sich über das Interesse, denn Fahrer werden immer gesucht. Die ehemalige Lehrerin sah auch kein Problem darin, dass Ibrahim Alsunaidar, seit Ende 2014 wohnhaft in Leck, zwar fließend Englisch spricht, die deutsche Sprache aber nur recht holprig. Was man nicht kann, kann man lernen, so das Credo der beiden. Auch wenn damit viel Arbeit auf den Jemeniten zukommen würde.

Ibrahim Alsunaidar besaß zwar bereits einen EU-Führerschein, einen Personenbeförderungsschein galt es nun zu erwerben. Dafür musste er sich umfangreichen medizinischen Untersuchungen unterziehen, an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen und immer wieder pauken, pauken, pauken. Wichtige Vokabeln wie Gaspedal, Bremse, Seitenspiegel oder Rollator, Fahrschein, Sitzplatz. Auch büffelte er vorformulierte Sätze, die ihm im Umgang mit den Bürgern helfen sollten. „Bitte schnallen Sie sich an“, „Vorsicht beim Aussteigen“, „Schönes Wetter heute“ – was man als Fahrer im Alltag mit den Nordfriesen so benötigt.

Ibrahim Alsunaidar lernte alle 51 Haltestellen des Fahrplans mit Tariftabelle auswendig. Er übte sich darin, Telefonate mit der Fahrdienstleitung zu führen, was er anfangs wegen seiner noch geringen Sprachkenntnisse scheute. Am Ende aber meisterte er, der in seiner Heimat am Check-In eines Flughafens gearbeitet hatte, alle Hürden.

Bei seiner ersten Busfahrt standen ihm dann die Schweißperlen auf der Stirn, wie er erzählt. Doch alles lief gut, problemlos und unfallfrei. Inzwischen ist Alsunaidar seit drei Monaten im Bürgerbus-Team mit dabei. Jeden Dienstag- und Mittwochnachmittag sitzt er sichtlich stolz am Steuer. Die Aufregung ist gewichen, Routine eingekehrt. Der Hobby-Busfahrer kann sich mit den Fahrgästen verständigen – solange sie kein Plattdeutsch sprechen.

Die Resonanz auf den Asylbewerber am Steuer sei positiv, sagt Heike Prechel. „Die Fahrgäste schätzen seine freundliche, hilfsbereite Art.“ Auch wenn es zuweilen vorkommt, dass einige Bürger befremdlich reagieren, wenn sie ihn am Lenkrad sehen. Ob es Unsicherheit gegenüber allem Fremden ist oder Ängstlichkeit oder vielleicht sogar Ablehnung. Vor allem Teenager seien es, die ihm manchmal das Gefühl geben, als Fahrer nicht akzeptiert zu werden, sagt der Zugezogene und hofft, daran etwas ändern zu können. „Sie müssen mich vielleicht erst kennenlernen.“

Ibrahim Alsunaidar selbst muss auch noch so vieles kennenlernen. Für ihn, der ursprünglich aus der Millionenstadt Sanaa kommt und fünf Jahre in Kairo lebte, ist das Landleben eine Umstellung, das Fahren auf staufreien Landstraßen pure Erholung. „Die Ruhe“, sagt er, „ist das, was ich hier so mag.“

Alsunaidar will nach eigenen Angaben mit seinem ehrenamtlichen Engagement etwas von dem zurückgeben, was er selbst bekommen hat. Er will eine Aufgabe in der Gesellschaft haben, gebraucht werden. Sein Sohn ist in der Lecker Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Eine seiner Töchter gibt anderen Flüchtlingen Deutsch-Nachhilfe. Der 51-Jährige selbst will fahren – für einen guten Zweck. Ibrahim Alsunaidar wartet darauf, dass sein Asylantrag anerkannt wird und er für immer in Südtondern bleiben kann. Wenn dem so ist, möchte er sich einen Job suchen, Geld verdienen. Busfahrer, das will er dann hauptberuflich werden.

Süßes für den 40 000. Fahrgast

Erschienen im am 31.01.2017

 

Alla Khachatryan staunte nicht schlecht: Sie war der 40  000. Fahrgast des Ladelunder Bürgerbusses. Fahrer Klaus Neppert hatte gute Wünsche und einen Meter Schokolade für die junge Frau parat, die in ihrem Leben schon viele Kilometer zurückgelegt hat.

Im August 2015 ist Alla Khachatryan von Armenien nach Deutschland gekommen und wohnt mittlerweile in Ladelund. Sie besucht täglich einen Sprachkursus und fährt immer mit dem Bürgerbus von Ladelund nach Leck und zurück.

Auch sozial ist sie aktiv: Sie hilft anderen Asylbewerbern als Übersetzerin und begleitet sie häufig zu Arztbesuchen und zu Behörden. Zudem engagiert sie sich im Ladelunder Ortskulturring und bemüht sich zurzeit um einen Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Büromanagement.