Archiv der Kategorie: Presse

Fahrerteam sucht Verstärkung

Erschienen im nft am 19.06.2017

Bürgerbusse in Südtondern

Jochen Hintz wünscht sich noch mehr Kollegen am Bürgerbus-Steuer

Der Bürgerbus in Ladelund bleibt ein echtes Erfolgsmodell: „Wir steuern rasant auf den 50 000. Fahrgast zu“, sagt Heike Prechel, Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins Ladelund. Viele Fahrgäste (rund 80 pro Tag) sind das eine – ein großer Pool von ehrenamtlichen Fahrern das andere. Und generell hat Heike Prechel durchaus noch die eine oder andere Schicht hinter dem Lenkrad anzubieten.

„Krankheits- und urlaubsbedingt wird es manchmal ein wenig schwierig, den Einsatzplan zu füllen“, sagt die Vorsitzende und schiebt sofort hinterher: „Es gelingt zwar immer, weil unser Fahrerteam sehr bereitwillig im Notfall auch zusätzliche Einsatzzeiten übernimmt. Aber wir möchten das auf Dauer nicht zu sehr beanspruchen.“

Neue Fahrer sind also jederzeit willkommen: „Wer schon immer gerne Busfahrer werden wollte, hat bei uns die Gelegenheit dazu und das kostenlos – ein Busführerschein ist sehr teuer“, wirbt Heike Prechel für einen ehrenamtlichen Einsatz. Und die Dankbarkeit der Fahrgäste sei ein schöne Dreingabe zur guten Tat. Das werde in vielen Äußerungen oder sogar Briefen deutlich: „Ein herzliches Dankeschön den Busfahrern und -fahrerinnen, die ein wenig Lebensglück schenken“, stand etwa in einem Gruß an den Verein geschrieben.

Derzeit lenken 23 Fahrer und 12 Fahrerinnen den Bürgerbus – oder besser einen der Bürgerbusse. Denn inzwischen sind täglich drei Fahrzeuge im Einsatz; zwei Busse mit jeweils acht Sitzplätzen, darunter je ein Platz für Rollstuhlfahrer, zum Fuhrpark gehört zudem der „Mini-Bürgerbus“. Mit diesem E-Mobil werden Fahrgäste aus kleinen Nachbargemeinden abgeholt (und dorthin wieder zurückgebracht) sowie auf wenig nachgefragten Strecken als Anrufbus die Bürgerbusse ersetzt. „Um Fahrer im Bürgerbus zu werden, braucht man zunächst einen Führerschein und mindestens zwei Stunden Zeit pro Woche oder alle 14 Tage“, erläutert die Vereinsvorsitzende weiter. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, zum Team im gehören Ehrenamtliche im Alter zwischen 37 und 76 Jahren – die Jüngste ist 37 Jahre und der Älteste 76 Jahre alt.

Notwendig ist ein Personenbeförderungsschein, dafür müssen die Freiwillgen bereits zwei Jahre einen Führerschein haben und sich einer Gesundheitsüberprüfung unterziehen. „Die Erlaubnis ist fünf Jahre gültig, alle Kosten übernimmt der Bürgerbus-Verein. Dafür wird mindestens ein Jahr Fahrdienst erwartet“, so Prechel. Gefahren wird von Montag bis Freitag, vormittags von 6.40 Uhr bis zirka 11 Uhr und nachmittags von zirka 14 Uhr bis 17.30 Uhr.

„Jeder entscheidet selbst über seine Einsatzzeiten“, betont Heike Prechel. Im Abstand von meistens sechs Wochen gebe es Fahrertreffen zum Besprechen der Dienstpläne – „wer nicht kommen kann, gibt seine Wunschtermine vorher durch.“ Neulinge hinter dem Bürgerbus-Steuer erhalten eine sorgfältige Einarbeitung, lernen Fahrzeug, Haltestellen und Fahrstrecken ausührlich kennen, erhalten eine Tarifschulung „und alles, was sonst noch dazu gehört.“ Start- und Endpunkt des Linienverkehrs ist Ladelund, Anfahrtskosten zu den Einsatzzeiten werden erstattet mit 30 Cent pro Entfernungskilometer.

Unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ sind seit Juli 2014 freiwillige Fahrer im Einsatz. Der Bürgerbus fährt im Auftrag der Autokraft und nennt sich selbst nicht ohne Stolz – „richtig ein kleines Verkehrsunternehmen“. Denn der Bürgerbus macht vieles für die Einwohner der ländlichen Gemeinden um Ladelund Gemeinden möglich, indem er sie verbindet.

Er bringt Kinder zum Spielen zu Freunden, Auszubildende zur Arbeit, Schüler früher nach Hause, Senioren selbstbestimmt zum Einkaufen, alle Altersgruppen zum Arzt, zu Behörden oder zur Freizeitgestaltung – und macht die Nutzer auch ohne ein eigenes Auto mobil. „In Leck am ZOB ist immer sehr zeitnah ein Umsteigen in die Schnellbusse nach Niebüll und Flensburg möglich.“ Die Vereinsvorsitzende lobt zudem die „sehr bereitwillige Unterstützung“ durch Werbepartner aus unserer Region und die beteiligten acht Gemeinden Achtrup, Bramstedtlund, Karlum, Ladelund, Leck, Sprakebüll, Süderlügum und Westre.

Heike Prechel: „Das Allerwichtigste und somit die Grundvoraussetzung für einen BürgerBus sind allerdings Menschen, die bereit sind, ein wenig Zeit am Steuer des Bürgerbusses zu verbringen. Wer etwas für andere tun möchten, gerne das Gefühl hätte, wirklich gebraucht zu werden – der oder die ist bei uns richtig.“ Mehr Infos gibt es unter Telefon 04666/989742 (von 6.30 bis 18 Uhr täglich erreichbar) oder per E-Mail an info@buergerbus-ladelund.de.

 

Integration in Leck

Erschienen im nft am 01.02.2017

Ibrahim Alsunaidars Kindheitstraum: Er ist endlich Busfahrer

Ibrahim Al Sunaidar mit EU-Führerschein und Personenbeförderungserlaubnis. Foto: Sybille Bremer Flüchtling auf dem Fahrersitz: Seit drei Monaten fährt Ibrahim Alsunaidar mittlerweile schon den Ladelunder Bürgerbus.
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Flüchtling auf dem Fahrersitz: Seit drei Monaten fährt Ibrahim Alsunaidar mittlerweile schon den Ladelunder Bürgerbus.

Leck | Ein Stück weit war es Liebe auf den ersten Blick. Ibrahim Alsunaidar, Flüchtling aus Jemen, sah beim Lecker Straßenfest zum ersten Mal den Bürgerbus und war fasziniert. Dass ihn Ehrenamtliche fahren, um für mehr Mobilität auf dem Land zu sorgen, erfuhr er. Dass Fahrer gesucht werden. Und dass sich das Ladelunder Projekt zum Erfolgsmodell in der Region entwickelt hat. All das erzählte man ihm. Und schon kam ein alter Kindheitswunsch wieder hoch, der den 51-Jährigen immer schon beschäftigte: Busfahren als Herzensangelegenheit. So ergriff der Vater von sechs Kindern die Initiative und trat an Heike Prechel vom Bürgerbus-Team heran.

Die wiederum freute sich über das Interesse, denn Fahrer werden immer gesucht. Die ehemalige Lehrerin sah auch kein Problem darin, dass Ibrahim Alsunaidar, seit Ende 2014 wohnhaft in Leck, zwar fließend Englisch spricht, die deutsche Sprache aber nur recht holprig. Was man nicht kann, kann man lernen, so das Credo der beiden. Auch wenn damit viel Arbeit auf den Jemeniten zukommen würde.

Ibrahim Alsunaidar besaß zwar bereits einen EU-Führerschein, einen Personenbeförderungsschein galt es nun zu erwerben. Dafür musste er sich umfangreichen medizinischen Untersuchungen unterziehen, an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen und immer wieder pauken, pauken, pauken. Wichtige Vokabeln wie Gaspedal, Bremse, Seitenspiegel oder Rollator, Fahrschein, Sitzplatz. Auch büffelte er vorformulierte Sätze, die ihm im Umgang mit den Bürgern helfen sollten. „Bitte schnallen Sie sich an“, „Vorsicht beim Aussteigen“, „Schönes Wetter heute“ – was man als Fahrer im Alltag mit den Nordfriesen so benötigt.

Ibrahim Alsunaidar lernte alle 51 Haltestellen des Fahrplans mit Tariftabelle auswendig. Er übte sich darin, Telefonate mit der Fahrdienstleitung zu führen, was er anfangs wegen seiner noch geringen Sprachkenntnisse scheute. Am Ende aber meisterte er, der in seiner Heimat am Check-In eines Flughafens gearbeitet hatte, alle Hürden.

Bei seiner ersten Busfahrt standen ihm dann die Schweißperlen auf der Stirn, wie er erzählt. Doch alles lief gut, problemlos und unfallfrei. Inzwischen ist Alsunaidar seit drei Monaten im Bürgerbus-Team mit dabei. Jeden Dienstag- und Mittwochnachmittag sitzt er sichtlich stolz am Steuer. Die Aufregung ist gewichen, Routine eingekehrt. Der Hobby-Busfahrer kann sich mit den Fahrgästen verständigen – solange sie kein Plattdeutsch sprechen.

Die Resonanz auf den Asylbewerber am Steuer sei positiv, sagt Heike Prechel. „Die Fahrgäste schätzen seine freundliche, hilfsbereite Art.“ Auch wenn es zuweilen vorkommt, dass einige Bürger befremdlich reagieren, wenn sie ihn am Lenkrad sehen. Ob es Unsicherheit gegenüber allem Fremden ist oder Ängstlichkeit oder vielleicht sogar Ablehnung. Vor allem Teenager seien es, die ihm manchmal das Gefühl geben, als Fahrer nicht akzeptiert zu werden, sagt der Zugezogene und hofft, daran etwas ändern zu können. „Sie müssen mich vielleicht erst kennenlernen.“

Ibrahim Alsunaidar selbst muss auch noch so vieles kennenlernen. Für ihn, der ursprünglich aus der Millionenstadt Sanaa kommt und fünf Jahre in Kairo lebte, ist das Landleben eine Umstellung, das Fahren auf staufreien Landstraßen pure Erholung. „Die Ruhe“, sagt er, „ist das, was ich hier so mag.“

Alsunaidar will nach eigenen Angaben mit seinem ehrenamtlichen Engagement etwas von dem zurückgeben, was er selbst bekommen hat. Er will eine Aufgabe in der Gesellschaft haben, gebraucht werden. Sein Sohn ist in der Lecker Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Eine seiner Töchter gibt anderen Flüchtlingen Deutsch-Nachhilfe. Der 51-Jährige selbst will fahren – für einen guten Zweck. Ibrahim Alsunaidar wartet darauf, dass sein Asylantrag anerkannt wird und er für immer in Südtondern bleiben kann. Wenn dem so ist, möchte er sich einen Job suchen, Geld verdienen. Busfahrer, das will er dann hauptberuflich werden.

Süßes für den 40 000. Fahrgast

Erschienen im am 31.01.2017

 

Alla Khachatryan staunte nicht schlecht: Sie war der 40  000. Fahrgast des Ladelunder Bürgerbusses. Fahrer Klaus Neppert hatte gute Wünsche und einen Meter Schokolade für die junge Frau parat, die in ihrem Leben schon viele Kilometer zurückgelegt hat.

Im August 2015 ist Alla Khachatryan von Armenien nach Deutschland gekommen und wohnt mittlerweile in Ladelund. Sie besucht täglich einen Sprachkursus und fährt immer mit dem Bürgerbus von Ladelund nach Leck und zurück.

Auch sozial ist sie aktiv: Sie hilft anderen Asylbewerbern als Übersetzerin und begleitet sie häufig zu Arztbesuchen und zu Behörden. Zudem engagiert sie sich im Ladelunder Ortskulturring und bemüht sich zurzeit um einen Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Büromanagement.

Bürgerbus-Leitfaden: Ladelunder Modell als Landes-Vorbild

Erschienen im nft am 01.07.2016

Foto: I. Jensen

Der Vorstand des Vereins Bürgerbus Ladelund gibt nicht nur sein Wissen weiter, sondern erhofft sich auch eine verlässliche Landesförderung für das Projekt.

Der Bürgerbus in Ladelund ist eine Erfolgsgeschichte – das ist längst auch über die Region hinaus bekannt. Das Wissen und die Erfahrungen des Vereins sollen bald anderen Moblilitäts-Initiativen in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehen. Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NahSH) will gemeinsam mit seinen Gesellschaftern – Land, Kreise und kreisfreie Städte – einen Leitfaden erstellen, der alle wichtigen Informationen zum Thema Bürgerbus zusammenfasst.

An der Erstellung maßgeblich beteiligt: die Mobilitäts-Experten für den ländlichen Raum aus Ladelund, die viel Energie und Durchhaltevermögen bewiesen haben. Den Leitfaden sieht der Vereinsvorstand um die Vorsitzende Heike Prechel nicht nur als Chance, anderen Bürgerbus-Projekten im Land auf die Räder zu helfen, sondern er erhofft sich auch finanzielle Sicherheit durch eine verlässliche, planbare Landesförderung für die Ladelunder Initiative.

Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis der Bürgerbus-Verein Ladelund den ersten Bus ins Rollen brachte. „Wir mussten einen langen Atem haben, und es gab viele Stolpersteine“, sagt Heike Prechel rückblickend. „Aber unser Bürgerbus-Projekt zeigt ja, dass es funktioniert. Wir sind in enger Kooperation mit der Autokraft GmbH ein kleines Verkehrsunternehmen geworden.“ Inzwischen ist das Mobilitätsangebot für den ländlichen Raum mit drei Fahrzeugen im Einsatz, es wurden bereits knapp 30 000 Fahrgäste transportiert. Und auch das Finanzamt sitzt mit im Bus: „Weil wir Einnahmen haben, müssen wir auch Steuern zahlen.“

Der geplante Leitfaden ist für Heike Prechel ein entscheidender Schritt: „Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es bisher nur zwei Bürgerbusse in Schleswig-Holstein, die als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr allen offenstehen.“ Betrieben werden sie auf Fehmarn und in Ladelund. Drei weitere Bürgerbusvereine bereiten sich auf den Linienbetrieb vor, und zwar in Malente, Meldorf und im südlichen Dithmarschen. Zusammenarbeit und Austausch sind für die Akteure essenziell, deshalb haben sich die Initiativen 2015 zur Arbeitsgemeinschaft „Pro Bürgerbus Schleswig-Holstein“ vereint. „Die Kollegen aus Dithmarschen waren anfangs ganz überrascht, dass wir Ladelunder unser gesammeltes Wissen ganz selbstverständlich weitergegeben haben“, sagt Heike Prechel schmunzelnd. Sie weiß jedoch ganz genau, wie mühsam es für sie am Anfang war, an Informationen zu kommen. „Bürgerbus-Leitfäden anderer Bundesländer, zum Beispiel für Nordrhein-Westfalen, waren unsere Bibel und haben uns in der Gründungsphase sehr geholfen.“

Bereits im vergangenen Jahr hat der Verein in einer Stellungnahme an den Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags darauf aufmerksam gemacht, wie nötig und nützlich Bürgerbusse in der ländlichen Region sind. Prechel: „Diese Ergänzung zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr wird in anderen Bundesländern bereits gezielt genutzt und gefördert. In Schleswig-Holstein müssen wir allerdings noch sehr viel Aufklärungsarbeit leisten.“ Insgesamt sei der Informationsbedarf auf allen Ebenen sehr groß. „Es sollte ein einfaches, unbürokratisches Antragsverfahren geben. Ein Leitfaden speziell für Schleswig-Holstein, der regionale, individuelle Vorgaben berücksichtigt, wird gebraucht.“

Heike Prechels Anregungen sind offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen. Am 6. Juli findet ein erstes Planungstreffen auf Einladung von Nah-SH statt, in Vorbereitung dazu hat sich „Pro Bürgerbus“ in Ladelund getroffen. Im Herbst 2016 soll der Leitfaden öffentlich vorgestellt werden. Angedacht sind ein informativer Teil für Kommunen und andere Interessierte sowie praktische Planungshilfen für Bürgerbus-Initiativen. Ob die Finanzierung von Bürgerbusprojekten ebenfalls Thema im Leitfaden sein werde, sei noch offen, heißt es in einer Mitteilung von Nah-SH. Hier sei noch abzuwarten, wie und in welcher Höhe die Regionalisierungsmittel des Bundes künftig im Land zur Verfügung stünden.

Gerade auf eine verlässliche Landes-Finanzierungshilfe, wie es sie bereits in anderen Bundesländern gibt, hofft allerdings der Bürgerbusverein Ladelund. „Das wäre ein Meilenstein, wenn wir das im Leitfaden verankern könnten. Wir schreiben zwar schwarze Zahlen, aber für die Anschaffung eines neuen Busses brauchen wir finanzielle Unterstützung“, sagt Heike Prechel. Ihr Mann Peter Prechel, zweiter Vorsitzender des Vereins, ergänzt: „Wir möchten als Pilotprojekt gerne versuchen, allen auf die Sprünge zu helfen, damit es bald möglichst viele Bürgerbusse in Schleswig-Holstein gibt.“

Fahrgastbeirat Schleswig-Holstein verleiht den ÖPNV-Preis 2015 an den Bürgerbusverein Ladelund,,,

FGB SH-Verleihung ÖPNV-Preis 2015 1

Bildrechte: Karl-Peter Naumann

… und den Bürgerbusverein Fehmarn

02.12.2015 – Der Fahrgastbeirat Schleswig-Holstein verleiht den ÖPNV-Preis 2015 an den Bürgerbusverein Ladelund und den Bürgerbusverein Fehmarn für das

Engagement für die Erschließung ländlich geprägter Regionen durch den ÖPNV

„Sowohl der Bürgerbusverein Ladelund als auch der Bürgerbusverein Fehmarn engagieren sich in vorbildlicher Weise für die Erschließung ländlich geprägter Regionen durch den ÖPNV. In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein, in dem der Verkehrsträger Bahn aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auf der Schiene und der Verkehrsträger Bus aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auf der Straße das Grundnetz im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) darstellen, brauchen wir eine weitere, alternative Bedienungsform wie den Bürgerbus, um den in ländlich geprägten Regionen lebenden Menschen zu ermöglichen, mit dem ÖPNV die nächst größere Gemeinde beziehungsweise eine Station des Grundnetzes im Nahverkehr auf der Schiene beziehungsweise im Nahverkehr auf der Straße zu erreichen,“ so Stefan Barkleit, Vorsitzender des Fahrgastbeirates Schleswig-Holstein. „Mit der Verleihung des ÖPNV-Preises 2015 möchten wir weitere Menschen motivieren, sich in Bürgerbusvereinen zu engagieren beziehungsweise neue Bürgerbusvereine zu gründen. Darüber hinaus ist es unser Anliegen, dass sowohl die bestehenden Bürgerbusvereine als auch die kommenden Bürgerbusvereine stärker als bisher von den Städten und Gemeinden, aber auch vom Land und der NAH.SH unterstützt werden.“

Sowohl der Bürgerbusverein Ladelund als auch der Bürgerbusverein Fehmarn ermöglichen es Fahrgästen und Menschen, die Fahrgäste werden möchten, in ländlich geprägten Regionen ohne Auto mobil zu sein sowie ohne Nutzung eines Autos die erste und die letzte Meile von und zur Station des Grundnetzes im Nahverkehr auf der Schiene beziehungsweise im Nahverkehr auf der Straße zurückzulegen. Beide Bürgerbusvereine sorgen somit dafür, dass in ländlich geprägten Regionen lebende Menschen einen Zugang zum ÖPNV haben, und fördern somit, dass immer mehr Menschen die Verkehrsträger des Umweltverbundes nutzen können.

Der Fahrgastbeirat Schleswig-Holstein ist ein ehrenamtliches Gremium. Er vertritt die Fahrgäste in Schleswig-Holstein und stellt eine Kommunikationsschnittstelle zwischen Fahrgästen, Verkehrsunternehmen und der NAH.SH als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein dar. Der Fahrgastbeirat tagt sechsmal jährlich und beschäftigt sich mit allen Themen rund um den Bahn- und Busverkehr. Das Gremium besteht aus 12 Mitgliedern. Ein Teil der Mitglieder vertritt Verbände und Institutionen, der andere Teil besteht aus Privatpersonen.

Folgende Verbände und Institutionen sind im Fahrgastbeirat vertreten: ADFC, BSK, BSV-SH, BUND, VCD e.V. Landesverband Nord, DGM, PRO BAHN e.V..

Verantwortlich/ Kontakt:
Stefan Barkleit, 0151/ 51462156
Janine Bartelt, 0176/ 96708997

Nächstes Ziel: Neue Werbepartner

Erschienen im nft am 13.02.2015

Bürgerbus-Verein feiert den 5000. Fahrgast und / Dr. Peter Prechel übernimmt das Amt des zweiten Vorsitzenden

Die guten Nachrichten reißen nicht ab: Der Verein „Bürgerbus Ladelund“ hat bereits den 5000. Fahrgast – in Person von Elke Appel – transportiert. Mit diesem zuvor kaum für möglich gehaltenen „Paukenschlag“ eröffnete die Vorsitzende Heike Prechel die Jahresversammlung des aktuell 181 Mitglieder umfassenden Vereins. Stolz verkündete sie, Manfred Beutel, einer der zur Zeit 34 ehrenamtlichen Fahrer – habe der Passagierin dazu gratuliert.

Die Umstellung, die Haltestelle der kleinen Nachbargemeinden nur noch auf Anruf anzufahren, habe sich gut bewährt und viele positive Reaktionen ausgelöst. Die wöchentlichen Fahrgastzahlen seien von zunächst 117 auf inzwischen bereits fast 300 Personen angestiegen. Darum stelle sich die Frage: „Schaffen wir den 10  000. Passagier schon im ersten Betriebsjahr?“

Heike Prechel dankte allen Fahrern für ihren vorbildlich Einsatz im Dienst, seien sie doch sicher, zuverlässig und unfallfrei gefahren und hätten sich gegenüber den Gästen hilfsbereit, nett und jederzeit hilfsbereit gezeigt. Weitere Lehrgänge für das Fahrpersonal in Erster Hilfe und Sicherheitstraining seien in Vorbereitung. Fahrdienstleiterin Christel Hintz habe hervorragende Arbeit geleistet. Für den Bus sei ein Carport angeschafft worden, der sich bereits gut bewährt habe. Ein mit dem ersten Bus baulich nahezu identisches Fahrzeug sei angeschafft worden und habe seinen Streckenbetrieb bereits aufgenommen. Nunmehr gelte es, neue Werbepartner zu finden, worum sich eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe engagiert kümmere, so sagte Heike Prechel, die sich für die Unterstützung bei der Wahl des „Menschen des Jahres“ bedankte.

Die bisherige Arbeit des Bürgerbus-Vereins habe im Rundfunk, dem Fernsehen und der Presse eine lebhafte, stets positive Resonanz gefunden. Vieles davon sei auf der Internetseite „www.pro-buergerbus-sh.de“ nachzulesen. Von Armin Fliegauf als Sprecher der „Arbeitsgruppe 2. Bus“ war zu erfahren, das zusätzliche Fahrzeug solle die Situation in Leck, wo sich zu bestimmten Zeiten zu viele Fahrgäste ansammeln, entschärfen und zudem Fahrten nach Süderlügum und Sprakebüll ermöglichen.

Die Wahlen ergaben, dass, dass Dr. Peter Prechel zum 2. Vorsitzenden, Bianka Birkholz und Armin Fliegauf zu Beisitzern und Hans-Albert Oehme zum neuen zweiten Kassenprüfer gewählt wurden. Alle Abstimmungen erfolgten – bei jeweiliger Enthaltung der Kandidaten – einstimmig. Zuvor war – in krankheitsbedingter Abwesenheit – Werner Wüpper mit Dank für seine Arbeit von seinem Posten des stellvertretenden Vorsitzenden entbunden worden. Auch der stellvertretende Bürgermeister und Schulverbandsvorsteher Hans-Heinrich Petersen, der sein Amt als Beisitzer im Bürgerbus-Verein wegen Arbeitsüberlastung niedergelegt hatte, wurde mit Dank und Lob für seinen engagierten Einsatz verabschiedet.

Zum Abschluss der Versammlung sprach Bürgermeister Rüdiger Brümmer ein Grußwort, in denen er allen Beteiligten für ihre ehrenamtlichen Dienste seinen Dank aussprach: „Ihr habt großartige Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit geleistet.“

Bürgerbus in der Lesergunst weit vorn

Erschienen im nft am 12.02.2015

Das Projekt aus Ladelund und seine Initiatorin Heike Prechel belegen bei der landesweiten Auswahl zum Menschen des Jahres den zweiten Platz

Wenn sie vorher geahnt hätte, welche Aufregungen mit einer Nominierung als „Mensch des Jahres 2014“ verbunden sein würden, dann hätte sie nicht so schnell zugestimmt, bei dem Wettbewerb mitzumachen. Das gesteht Heike Prechel, während sie im Saal des Plöner Schlosses auf den Beginn der Veranstaltung wartet. Ende November wählten die Leser des Nordfriesland Tageblatt die Ladelunderin zu ihrem „Mensch des Jahres 2014“. Heike Prechel hielt die Aktion damit für beendet. „Ich ahnte nicht, dass die ganze Sache dann auch noch landesweit weitergeht.“ Das tat sie aber. Denn auch die übrigen Lokalredaktionen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags oder des A. Beig-Verlags schickten ihre Kandidaten ins Rennen. 16 waren es insgesamt, die sich dem Votum der Schleswig-Holsteiner stellten. Am Ende kristallisierten sich drei Finalisten heraus, darunter auch die Südtonderanerin. Der Ladelunder Bürgerbus wurde bekannt, nicht nur im ganzen Land. Nun nahmen auch Pressevertreter anderer Bundesländer das Fahrzeug, das die Landbevölkerung mobiler macht, wahr. Etliche Anrufe und Anfragen folgten. Heike Prechel gab Interviews, hielt Vorträge, wurde von Kamerateams gefilmt – obwohl sie nach eigenem Bekunden gar nicht gern im Mittelpunkt steht. Und gestern nun saß sie in der ersten Reihe im Schloss, um auf das Ergebnis des Votings zu warten.

Platz 2 wurde es, wie Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer der Flensburger Brauerei, schließlich verkündete. Er erinnerte in seiner Laudatio daran, dass die Gründung des Bürgerbusvereins einer Seniorenweihnachtsfeier in Ladelund zu verdanken ist, auf der Heike Prechel erstmals von solch einem Mobilitätskonzept hörte. „Der Gedanke ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Viele Hürden mussten überwunden werden. Das Projekt entwickelte sich zum Vollzeitjob. Seit dem 14. Juli fährt nun der Bus als Linienverkehr zwischen Ladelund und den Nachbarorten – und zwar mit großem Erfolg“, lobte Andreas Tembrockhaus und brachte es auf den Punkt: „Was Heike Prechel anpackt, das läuft – oder besser gesagt, es rollt.“

Dass der gesamte Trubel der letzten Wochen nun zum zweiten Platz führte, war der Ladelunderin nur recht. „Ich habe gar keinen Wert darauf gelegt, Erste zu werden. Und ich hätte es auch noch schöner gefunden, wenn gar kein Gewinner gekürt worden wäre. Alle 16 Kandidaten haben doch auf ganz unterschiedliche Weise etwas Großes geleistet, und es ist doch schwer, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.“ Die gesamte Kandidatur mit Auszeichnung habe dem Bürgerbus gut getan. „Und deshalb habe ich mitgemacht“, bilanzierte die Zweitplatzierte am Ende.

Kurz vor der Rückfahrt nach Südtondern nutzte Heike Prechel in einem ruhigen Moment die Gelegenheit, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Robert Habeck über die insgesamt drei Bürgerbusse im Land zu informieren. Ihm gab sie auch Unterlagen für den Ministerpräsidenten Torsten Albig mit, von dem sich die Bürgerbusvereine im Land mehr Unterstützung erhoffen. Heike Prechel mag sich zwar selbst als eher zurückhaltend beschreiben, wenn es sich jedoch um den Ladelunder Bürgerbus dreht, geht die Nordfriesen in die Offensive.

von Sibylle Bremer